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Tag 4 – Mourtos – Paxoi

Am Vormittag warten wir, dass unsere Nachbarn den Hafen verlassen.  Dann beginnen wir mit der Behebung des Fäkalientankproblems. Da es uns nicht wirklich gelingt, entschließen wir uns, zur Marina nach Korfu zurück zu fahren.

Blue Lagoon
Blaue Lagune

Auf dem Weg dorthin fahren wir nochmal kurz durch die blaue Lagune – mit kristallklarem Wasser und felsiger Küste, in der sich eine kleine Grotte befindet.
Dann nehmen wir Kurs auf Korfu.

Unter Fahrt versuchen wir nochmal unser Glück mit dem Tank – und stellen fest: er ist doch leer und scheint zu funktionieren. Als wir nach ein paar Versuchen uns sicher sind, ändern wir erneut den Kurs und laufen nun Paxos an.

Die Überfahrt erfolgt auch hier mit Maschine. Der Kurs geht stark gegen die Welle und ein gezieltes Aussteuern der Welle erfordert hohe Aufmerksamkeit. Leider hat uns der Wind von der Stärke im Stich gelassen – anders als es im Superforecast angezeigt war.

Als Tagesinput setzen wir uns heute mit der MPA und der Theory U auseinander. Wir schauen uns die Teamanalyse nochmal an und besprechen gegenseitig unsere Motivausprägungen. Wie wirken sich unsere Ausprägungen auf unser Verhalten aus? Was entdecken wir in welchem Verhalten des Anderen? Vieles, was jetzt in den Gesprächen auftaucht hat mit den eigenen Wertevorstellungen zu tun und zeugt davon, dass es doch einen erheblichen Einfluss auf die Entscheidungen für die Zukunft hat.

Wenn auch der Blogbeitrag an dieser Stelle kürzer wird, so ist doch ersichtlich, dass die Zeit für die Besinnung noch intensiver geworden ist. Immer wieder lässt sich beobachten, wie auch ohne Anleitung oder Aufforderung neue Teilnehmerkonstellationen entstehen und sich gegenseitig befragt wird. Dabei wird auch schon kräftig geübt, das gelernte anzuwenden.

Paxos
Paxoi

Der Rundgang durch Paxos auf der Suche nach einer schönen Taverne zeigt uns ein malerisches kleines Städtchen an einem wunderschönen Naturhafen. Wir liegen direkt an der Kaimauer und konnten beim Anlegen feststellen, wie der Wind und ein falscher Ruderausschlag schnell zu kritischen Situationen führen. Alle Hände waren gefordert, als uns der Wind auf das benachbarte Boot drückte. Und das Ankern im Hafen stellt hohe Anforderungen an die exakten Abläufe des Manövers.

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Abendlicher Schlummertrunk vor dem Gin-Tonic
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Tag 3 – Igoumenitsa – Mourtos

Nur die Fock reicht auch anderen
Wind und Welle

Beim Auslaufen aus der Bucht entdeckt Oliver einen Delfin. Leider springt er nur einmal kurz hoch und taucht nicht wieder auf.

 

Der Superforecast für das Wetter in der Windfinder-App zeigt uns, dass heute Wind aufkommt. Wir erwarten draußen Wellenhöhen von etwa 40 cm. Das hört sich nicht so viel an. Da die Wellenhöhe aber von der Wellenmitte gemessen wird, beginnt doch ein kräftiges Schaukeln. Zum Glück haben die Anfälligen für die Seekrankheit vorher schon entsprechende Vorsorge getroffen und so beschäftigen sich einzelne sehr damit, sich auf sich selbst zu konzentrieren, während wir mit bis zu 7 Knoten Geschwindigkeit nur mit der Fock durch das Ionische Meer kreuzen.

Wind am 2. Segeltag
Die Fock zieht gut

Unter der guten Beobachtung des Skippers und des Coaches wird dann doch entschieden den Kurs auf Paxos nicht länger beizubehalten, sondern stattdessen nach Mourtos zu fahren. Dort finden wir in der windgeschützten Bucht einen Hafenplatz.

 

Beim Anlegemanöver wird deutlich: Mit einem Tiefgang von 2,2 m ist nicht jeder Platz geeignet. Und so müssen wir mit einem schnellen Manöver doch den Anlegeplatz wechseln, sonst wären wir auf Grund gelaufen. Hier macht sich Erfahrung und Schiffskenntnis bezahlt. Die ruhige und doch bestimmte Vorgehensweise des Skippers geben allen Teilnehmenden ein sicheres Gefühl.

Während des Einlaufens hat es kräftig zu regnen begonnen. Außerdem stellt sich kurz nach dem Festmachen heraus, dass der Fäkalientank nicht geleert werden konnte,  obwohl die Ventile ordnungsgemäß geöffnet wurden. So wird der Toilettengang nun eingeschränkt. Denn mit 7 Menschen an Bord und nur einem Dixi-Klo leiden die Hygienevorstellungen der Reisenden sehr. Hinzu kommt der unebene Bodenbelag im gesamten Hafen, der große Pfützen entstehen lässt. Zum Glück ist es recht warm und so lässt es sich trotz gehobener Feuchtigkeit, gut aushalten.

Diesmal unter Deck erfahren wir mehr über die Gesprächslandkarte 8×8. Wir ziehen aus einem Stapel von verschiedensten, scheinbar sinnlosen Fragen, eine Frage, die uns gefällt. Nun üben wir in einem konkreten Fall, diese Frage zu hinterfragen. Wir erleben dabei, wie schwer es ist, die richtige Frage zu stellen und in wie vielen Momenten wir eigene Vorstellungen und Meinungen dem Anderen einfach überstülpen. Hier helfen die Tipps des Evokators: Nutzt genau die Begriffe, die der Andere verwendet hat. Hört genau zu, was gesagt wird. Fragt gegebenenfalls, welche der weiteren Fragen, die ihr hättet, dem anderen mehr hilft. Vor allem: Lasst die Verantwortung für die Weiterentwicklung beim Gegenüber.

In der täglichen Feedback-Runde wird dann deutlich, wie bereits die Auseinandersetzung mit den bislang gelernten Modellen die eigene Fragestellung des Reisebeginns bereits verändert. Der Kern wird sichtbarer.

Seeminarflagge weht
Die SeeMinar-Flagge ist gehisst

Die abendliche Routine mit Ouzo oder GinTonic beendet den Tag 3. Morgen müssen wir erst das Fäkalientang-Problem lösen.

Tag 2 – Korfu – Igoumenitsa

Bordleben
Bordleben am Abend

Das Laden der Bordbatterie hat doch nicht geklappt. Wir haben noch auf den Elektriker gewartet, der uns dann auf einen weiteren Schalter hingewiesen hat. Die Steuerung für die Einspeisung des Solar-Paneels stand auf Standby und so konnte der Landstrom gar nicht laden.

Das Warten wird genutzt, um noch eine Lerneinheit vorzuschalten. Diesmal geht es um die eigene Fragestellung. Es werden verschiedene Fragen formuliert – jede scheint individuell und doch wird deutlich: alle TeilnehmerInnen stellen Fragen vor, die mit dem nächsten Lebensabschnitt zu tun haben. Manchen scheint die Frage eines anderen bekannt zu sein und er denkt sich, die Lösung bereits zu kennen. Andere haben zunächst den Eindruck, sie werden nicht unbedingt helfen können. Aber allen wird klar: diese Fragen sind der rote Faden und sie werden inhaltlich die Reise bestimmen.

Endlich geht es los. Aufgrund des Windmangels unter Maschine in eine kleine Bucht nördlich von Igoumenitsa. Erste Steuererfahrungen zeigen: Wenn draußen Welle ist, dann kann man auch schnell bei Unachtsamkeit den Kurs verlieren. Und auf Sicht zu steuern ist etwas anderes, als der Kompassnadel zu folgen. Die Vorausschau auf den scheinbar weit entfernten Schiffsverkehr lässt uns frühzeitig nachvollziehen, warum welche Kursänderungen gemacht werden und wie schnell die griechischen Fähren unterwegs und dann auch zu einer Bedrohung werden können.

Inhaltlich erarbeiten wir uns heute das ErIch-Modell und das Magisches Dreieck. Nach einem Bad in der Bucht lauschen wir den springenden Fischen, die sich immer wieder beobachten lassen. Und wir kochen an Bord. Schnell wird ersichtlich, wie sich das Team organisiert. Wer übernimmt wo welche Aufgabe, wer hält die Verantwortung, wer delegiert, wie wird die Verantwortung aufgenommen?

dav
Getränke gebunkert  – es gibt noch mehr Wasser an Bord 😉

Es wird deutlich: Diese Micro-Training-Situationen werden nicht gespielt oder theoretisch durchdacht und angeleitet, sondern sie dienen der Beobachtung des echten, eigenen, persönlichen Verhaltens. Das Vorhandensein des Coaches zur Beobachtung und Begleitung ist unauffällig und er greift nur dort mit kurzen Hinweisen ein, wo Situationen entstehen, die auf die eigene MPA referenziert werden können oder mit Aspekten der persönlichen Fragestellung zu tun haben. „Der rote Faden bist Du selbst, mit deiner Fragestellung und deiner Verantwortung“. Damit wird jeder Teilnehmende auch zum Teilgeber. Das wird spätestens in der Abendrunde deutlich, in der wir uns gegenseitig austauschen darüber, was der Tag und die Erkenntnisse aus den Gesprächen mit den anderen aus unserer Frage gemacht hat.

Tag 1 – Ankommen und Einschwingen

Die Crew ist am Vorabend heile in Korfu gelandet. Alle waren im gleichen Flieger und so ist auch die Anreise keine große Herausforderung und auf niemanden muss gewartet werden.

Gouvia Hafen
Take Five in Gouvia

Im Hafen liegt die Take Five bereit. Klar wird es in den nächsten Tagen etwas eng und wer Camping nicht mag, für den ist die geteilte Koje sicherlich ein Argument, eine Einzelkoje zu buchen.

Als wir am Vorabend um 23:00 Uhr noch warme Küche in der Taverne nachfragen, ist dies kein Problem. Die Bedienung mache uns alles, was auf der Karte stehe, außer Grill. Und dann stellte sich heraus, dass gegrillte Fischplatte sogar auch noch ging. Service, von dem sich München in manchen Lokalen eine Scheibe abschneiden kann.

Nach einer Nacht mit ungewohnten Geräuschen und dem leichten Schwell (Wellen, ohne Wind) im Hafen starten wir am nächsten Morgen gemütlich in den Sonntag. Erstmal Kaffee und dann gemeinsam zum Bäcker und dort Frühstücken.

Ziel der 5tägigen Reise: Eigene Fragestellungen aus dem Berufs- und Privatleben voranbringen und dabei die Grundlagen evokatorischer Führung und Beratung kennen zu lernen.

Sven von der Reith ist unser Skipper und bekannt für sein umsichtiges und gutes Anleiten der Seemannschaft. Olaf Keser-Wagner ist Evokator, Coach und Autor und hat die Methoden zur evokatorischen Führung aus verschiedenen anderen Werkzeugen zusammengestellt und weiterentwickelt. Die TeilnehmerInnen sind gespannt.

Einzelne haben schon Erfahrungen mit Seminaren auf Schiffen gemacht. Was das SeeMinar auszeichnet ist das Gespür für den Flow des persönlichen Lernens. In einer warmen Umgebung in schöner Natur lässt es sich „sinnieren“. Dieses Sinnieren ist etwas, was Sinn macht. Und zwar, weil es den echten, hinter den oberflächlichen Fragen der TeilnehmerInnen folgt. Das wiederum macht Sinn, weil es angebunden ist an Biographien, an Lebenserfahrungen und persönlichen Entscheidungswegen.

Dazu passen auch das langsame Ankommen und Akklimatisieren. Alle TeilnehmerInnen kommen aus ihrem beruflichen Alltag und müssen erstmal herunterkommen. Die „Nachklänge“ des Alltags hinter sich lassen. So wird zunächst das Boot erkundet, Hinweise auf verschiedene Sicherheitsaspekte oder die Nutzung der Toilette gegeben. Der Alltag an Bord will bewältigt werden. Und gerade, weil es für uns eine ungewohnte Umgebung ist, muss auch der scheinbare Alltag erlernt werden.

Während des Frühstücks beim Bäcker wird die Verantwortung für den Provianteinkauf vergeben. Dabei ist zu beobachten, wie Verantwortung angekündigt und dann doch von jemand anderem übernommen wird. Die Proviantlisten und Mengenerfahrungen des Skippers sind hilfreich. Die Diskussion mit den TeilnehmerInnen sorgt dafür, dass sich niemand beschweren kann, es habe irgendetwas nicht gegeben.

Der Einkauf im Supermarkt am Hafen ist mit dem Service der Lieferung bis zum Boot verbunden. Die Preise für die Produkte allerdings teilweise fast doppelt so hoch, wie im örtlichen Supermarkt.

Am Nachmittag waren wir am nahegelegenen Badestrand in der Bucht. Angenehme Wassertemperaturen jedoch mit einem relativ kräftigen Wind machen ein Baden dennoch gut möglich. Auffallend ist ein Gelände mit rechteckig abgesteckten, befestigten Flächen und vielen Feuerlöschschläuchen.

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Der Grillplatz

Das rief die Frage hervor, was dieses Gelände für eine Funktion habe. Wir sind der Meinung, es ist ein Grillplatz, auf dem jeder seinen eigenen Grill mitbringen kann und dort dann grillen darf.

Die Technik an Bord scheint einen Defekt zu haben. Trotz Stromanschluss an Land, zeigt die Batterie kaum Ladetätigkeit an. Daher fragen wir nochmal nach dem Techniker, der uns darauf hinweist, dass eine Hauptsicherung umgestellt werden musste. Am Abend scheint dann die Aufladung zu klappen.

Eine erste Einweisung in das umfangreiche persönliche Logbuch erfolgt. Dieses enthält neben den klassischen Eintragsmöglichkeiten zum Reiseverlauf auch Hintergründe zur Seemannschaft. Darüber hinaus ist es mit Informationen über die zu lernenden Methoden gefüllt. Die Gesprächslandkarte 8×8, das ErIch-Modell und das magische Dreieck werden in den nächsten Tagen geschult und geübt. Die MotivationsPotenzialAnalyse ist bereits im Vorfeld erfolgt und persönlich ausgewertet worden. Im Reiseverlauf wird es auch darauf immer wieder Bezüge und reflexive Phasen geben.

Der erste Input: Das ErIch-Modell zur Delegation von Verantwortung. Es wird helfen für die Zukunft die Fragen zu entwickeln, die es braucht, Verantwortlichkeiten klar zu formulieren und zu delegieren. Ein Keylearning: Aufgaben sind teilbar, Verantwortung nicht.  Und Rückblickend auf die Verantwortungsübernahme für den Lebensmitteleinkauf ein Augenöffner.

Der Abend wird in einer anderen Taverne beschlossen. Wieder eine leckere Mahlzeit, Bier, Retsina oder Ouzo und an Bord den letzten GinTonic.

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Abendstimmung in Gouvia

Morgen wird es dann losgehen. Für einige die erste Segelerfahrung, für andere eine willkommene wiederholte Erfahrung. Für alle jedoch spannend.

Motivation – das Beziehungsmotiv

Ein Artikel und eine Reflexion über Motivation, sowie ein kurzes Beispiel aus der MPA. In einem Blogbeitrag von Olaf Keser-Wagner nachzulesen:

Motivationen messbar machen

Die Herausforderung an die neuen Chefs besteht darin, dass sie die Motive ihrer Mitarbeiter bedienen müssen, statt sich aus den eigenen Motiven zu überlegen, welche Belohnung eine entsprechende Handlung nach sich zieht. Dabei werden in der MPA die Motive nach wissenschaftlichen Erkenntnissen unterteilt in Motivkategorien und die bipolar wirkenden dazugehörigen Motive.