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Tag 3 – Igoumenitsa – Mourtos

Nur die Fock reicht auch anderen
Wind und Welle

Beim Auslaufen aus der Bucht entdeckt Oliver einen Delfin. Leider springt er nur einmal kurz hoch und taucht nicht wieder auf.

 

Der Superforecast für das Wetter in der Windfinder-App zeigt uns, dass heute Wind aufkommt. Wir erwarten draußen Wellenhöhen von etwa 40 cm. Das hört sich nicht so viel an. Da die Wellenhöhe aber von der Wellenmitte gemessen wird, beginnt doch ein kräftiges Schaukeln. Zum Glück haben die Anfälligen für die Seekrankheit vorher schon entsprechende Vorsorge getroffen und so beschäftigen sich einzelne sehr damit, sich auf sich selbst zu konzentrieren, während wir mit bis zu 7 Knoten Geschwindigkeit nur mit der Fock durch das Ionische Meer kreuzen.

Wind am 2. Segeltag
Die Fock zieht gut

Unter der guten Beobachtung des Skippers und des Coaches wird dann doch entschieden den Kurs auf Paxos nicht länger beizubehalten, sondern stattdessen nach Mourtos zu fahren. Dort finden wir in der windgeschützten Bucht einen Hafenplatz.

 

Beim Anlegemanöver wird deutlich: Mit einem Tiefgang von 2,2 m ist nicht jeder Platz geeignet. Und so müssen wir mit einem schnellen Manöver doch den Anlegeplatz wechseln, sonst wären wir auf Grund gelaufen. Hier macht sich Erfahrung und Schiffskenntnis bezahlt. Die ruhige und doch bestimmte Vorgehensweise des Skippers geben allen Teilnehmenden ein sicheres Gefühl.

Während des Einlaufens hat es kräftig zu regnen begonnen. Außerdem stellt sich kurz nach dem Festmachen heraus, dass der Fäkalientank nicht geleert werden konnte,  obwohl die Ventile ordnungsgemäß geöffnet wurden. So wird der Toilettengang nun eingeschränkt. Denn mit 7 Menschen an Bord und nur einem Dixi-Klo leiden die Hygienevorstellungen der Reisenden sehr. Hinzu kommt der unebene Bodenbelag im gesamten Hafen, der große Pfützen entstehen lässt. Zum Glück ist es recht warm und so lässt es sich trotz gehobener Feuchtigkeit, gut aushalten.

Diesmal unter Deck erfahren wir mehr über die Gesprächslandkarte 8×8. Wir ziehen aus einem Stapel von verschiedensten, scheinbar sinnlosen Fragen, eine Frage, die uns gefällt. Nun üben wir in einem konkreten Fall, diese Frage zu hinterfragen. Wir erleben dabei, wie schwer es ist, die richtige Frage zu stellen und in wie vielen Momenten wir eigene Vorstellungen und Meinungen dem Anderen einfach überstülpen. Hier helfen die Tipps des Evokators: Nutzt genau die Begriffe, die der Andere verwendet hat. Hört genau zu, was gesagt wird. Fragt gegebenenfalls, welche der weiteren Fragen, die ihr hättet, dem anderen mehr hilft. Vor allem: Lasst die Verantwortung für die Weiterentwicklung beim Gegenüber.

In der täglichen Feedback-Runde wird dann deutlich, wie bereits die Auseinandersetzung mit den bislang gelernten Modellen die eigene Fragestellung des Reisebeginns bereits verändert. Der Kern wird sichtbarer.

Seeminarflagge weht
Die SeeMinar-Flagge ist gehisst

Die abendliche Routine mit Ouzo oder GinTonic beendet den Tag 3. Morgen müssen wir erst das Fäkalientang-Problem lösen.

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Tag 1 – Ankommen und Einschwingen

Die Crew ist am Vorabend heile in Korfu gelandet. Alle waren im gleichen Flieger und so ist auch die Anreise keine große Herausforderung und auf niemanden muss gewartet werden.

Gouvia Hafen
Take Five in Gouvia

Im Hafen liegt die Take Five bereit. Klar wird es in den nächsten Tagen etwas eng und wer Camping nicht mag, für den ist die geteilte Koje sicherlich ein Argument, eine Einzelkoje zu buchen.

Als wir am Vorabend um 23:00 Uhr noch warme Küche in der Taverne nachfragen, ist dies kein Problem. Die Bedienung mache uns alles, was auf der Karte stehe, außer Grill. Und dann stellte sich heraus, dass gegrillte Fischplatte sogar auch noch ging. Service, von dem sich München in manchen Lokalen eine Scheibe abschneiden kann.

Nach einer Nacht mit ungewohnten Geräuschen und dem leichten Schwell (Wellen, ohne Wind) im Hafen starten wir am nächsten Morgen gemütlich in den Sonntag. Erstmal Kaffee und dann gemeinsam zum Bäcker und dort Frühstücken.

Ziel der 5tägigen Reise: Eigene Fragestellungen aus dem Berufs- und Privatleben voranbringen und dabei die Grundlagen evokatorischer Führung und Beratung kennen zu lernen.

Sven von der Reith ist unser Skipper und bekannt für sein umsichtiges und gutes Anleiten der Seemannschaft. Olaf Keser-Wagner ist Evokator, Coach und Autor und hat die Methoden zur evokatorischen Führung aus verschiedenen anderen Werkzeugen zusammengestellt und weiterentwickelt. Die TeilnehmerInnen sind gespannt.

Einzelne haben schon Erfahrungen mit Seminaren auf Schiffen gemacht. Was das SeeMinar auszeichnet ist das Gespür für den Flow des persönlichen Lernens. In einer warmen Umgebung in schöner Natur lässt es sich „sinnieren“. Dieses Sinnieren ist etwas, was Sinn macht. Und zwar, weil es den echten, hinter den oberflächlichen Fragen der TeilnehmerInnen folgt. Das wiederum macht Sinn, weil es angebunden ist an Biographien, an Lebenserfahrungen und persönlichen Entscheidungswegen.

Dazu passen auch das langsame Ankommen und Akklimatisieren. Alle TeilnehmerInnen kommen aus ihrem beruflichen Alltag und müssen erstmal herunterkommen. Die „Nachklänge“ des Alltags hinter sich lassen. So wird zunächst das Boot erkundet, Hinweise auf verschiedene Sicherheitsaspekte oder die Nutzung der Toilette gegeben. Der Alltag an Bord will bewältigt werden. Und gerade, weil es für uns eine ungewohnte Umgebung ist, muss auch der scheinbare Alltag erlernt werden.

Während des Frühstücks beim Bäcker wird die Verantwortung für den Provianteinkauf vergeben. Dabei ist zu beobachten, wie Verantwortung angekündigt und dann doch von jemand anderem übernommen wird. Die Proviantlisten und Mengenerfahrungen des Skippers sind hilfreich. Die Diskussion mit den TeilnehmerInnen sorgt dafür, dass sich niemand beschweren kann, es habe irgendetwas nicht gegeben.

Der Einkauf im Supermarkt am Hafen ist mit dem Service der Lieferung bis zum Boot verbunden. Die Preise für die Produkte allerdings teilweise fast doppelt so hoch, wie im örtlichen Supermarkt.

Am Nachmittag waren wir am nahegelegenen Badestrand in der Bucht. Angenehme Wassertemperaturen jedoch mit einem relativ kräftigen Wind machen ein Baden dennoch gut möglich. Auffallend ist ein Gelände mit rechteckig abgesteckten, befestigten Flächen und vielen Feuerlöschschläuchen.

sdr
Der Grillplatz

Das rief die Frage hervor, was dieses Gelände für eine Funktion habe. Wir sind der Meinung, es ist ein Grillplatz, auf dem jeder seinen eigenen Grill mitbringen kann und dort dann grillen darf.

Die Technik an Bord scheint einen Defekt zu haben. Trotz Stromanschluss an Land, zeigt die Batterie kaum Ladetätigkeit an. Daher fragen wir nochmal nach dem Techniker, der uns darauf hinweist, dass eine Hauptsicherung umgestellt werden musste. Am Abend scheint dann die Aufladung zu klappen.

Eine erste Einweisung in das umfangreiche persönliche Logbuch erfolgt. Dieses enthält neben den klassischen Eintragsmöglichkeiten zum Reiseverlauf auch Hintergründe zur Seemannschaft. Darüber hinaus ist es mit Informationen über die zu lernenden Methoden gefüllt. Die Gesprächslandkarte 8×8, das ErIch-Modell und das magische Dreieck werden in den nächsten Tagen geschult und geübt. Die MotivationsPotenzialAnalyse ist bereits im Vorfeld erfolgt und persönlich ausgewertet worden. Im Reiseverlauf wird es auch darauf immer wieder Bezüge und reflexive Phasen geben.

Der erste Input: Das ErIch-Modell zur Delegation von Verantwortung. Es wird helfen für die Zukunft die Fragen zu entwickeln, die es braucht, Verantwortlichkeiten klar zu formulieren und zu delegieren. Ein Keylearning: Aufgaben sind teilbar, Verantwortung nicht.  Und Rückblickend auf die Verantwortungsübernahme für den Lebensmitteleinkauf ein Augenöffner.

Der Abend wird in einer anderen Taverne beschlossen. Wieder eine leckere Mahlzeit, Bier, Retsina oder Ouzo und an Bord den letzten GinTonic.

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Abendstimmung in Gouvia

Morgen wird es dann losgehen. Für einige die erste Segelerfahrung, für andere eine willkommene wiederholte Erfahrung. Für alle jedoch spannend.