Die Ruhe vor dem Sturm – Führung und Gegensinn

Ein Tiefdruckgebiet soll Böen bis zu 40 Knoten Windgeschwindigkeit bringen. Wir laufen Kapi Creek an, eine Bucht, die nach Norden offen ist und uns vor dem Südsturm schützt. Bis das Tiefdruckgebiet eintrifft, vergeht noch ein ganzer Tag. Das Schiff liegt geschützt und die Böen fegen über uns hinweg.

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Wir nutzen die Zeit und steigen auf den nahegelegenen Felsigen Berg. Von dort haben wir eine herrliche Aussicht sowohl Richtung Süden in die brausende Brandung, als auch auf die Bucht. Auf dem Weg begegnen wir einer riesigen Heuschrecke und einem Baum, dessen rotfarbene Rinde sich abschält und ein leuchtendes Grün darunter hervorscheint.
Der Aufstieg ist felsig, mit kleineren Klettereien. Windzerklüftetes Gestein mit scharfen Kanten und Löchern, Olivenbäume und dornige Sträucher spenden teilweise Schatten. Nicht ganz ungefährlich ist hier ein Sturz und wir denken, das Risiko ist tragbar.

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Die Farbkombination von rot und grün lässt sich in der Natur immer wieder finden. In der Farbenlehre sprechen wir hier von Komplementärfarben. Diese ergänzen sich zur Farblosigkeit des weiß oder schwarz. Nimmt man die drei Grundfarben Rot – Gelb – Blau, ergibt sich aus der Mischung von Gelb und Blau ein Grün. Rot und Grün sind Komplementärfarben. Betrachtet man ein rotes Blatt Papier vor einer weißen Wand für 20-30 Sekunden und zieht dieses Blatt dann anschließend weg, ohne den Blick von der Wand zu lassen, entsteht ein Nachbild in der Kontur des Blattes, jedoch in der Komplementärfarbe Grün.
Diese Komplementarität kann man auch im sozialen Miteinander erleben: Erfährt ein Mitarbeiter Lob oder Kritik von einer Führungskraft, entsteht oft eine Gegenbewegung der Rechtfertigung oder des Abtuns der Anerkennung. Der Grund ist folgendermaßen nachvollziehbar: Jeden Begriff, den wir uns gebildet haben, haben wir durch Erfahrungen in konkreten Sachzusammenhängen entwickelt. Der Begriff der daraus entsteht ist etwas ganz persönliches, individuelles. Auch wenn er von der Buchstabenzahl gleich erscheint, gleich ausgesprochen wird – er hat immer eine persönliche Komponente. Trifft nun diese Meinungsäußerung der Führungskraft auf den Mitarbeiter, so verbindet dieser in der Regel damit seinen eigenen Begriff davon. Dieser weicht jedoch vom Begriff der Führungskraft ab. Konkret: Wenn ich zum Mitarbeiter gehe und ihm sage, den Text habe er gut geschrieben, dann kann es sein, dass er antwortet: „naja, so gut war es ja doch nicht“. Macht man sich die Mühe, genau zu analysieren, was beide Parteien meinten, so kann leicht heraus kommen, dass der Mitarbeiter meint, er habe zu viel Zeit dafür gebraucht oder die eine oder andere Formulierung sei ihm nicht geglückt. Die Führungskraft vielleicht loben wollte, wie der Gedankenaufbau oder die Formatierung erfolgte. So taucht im Mitarbeiter zum Begriff „gut“ sein Gegenbild auf und er versteht das „gut“ der Führungskraft nicht.
Hilfreich ist gegen diese „Stimme der Rechtfertigung“ ein gemeinsames Hinschauen auf die konkreten Fakten und Begriffe, bis diese in einem ausgewogenen Verhältnis sind.

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